Webcomics

Als mit The Yellow Kid 1895 der erste moderne Comic veröffentlicht wurde, bestimmten Zeitungen das regelmäßige Erscheinen, Farbe und Format. Aufgeteilt auf dieselben Spalten wie der gedruckte Texte entwickelten sich die sogenannten Comic Strips mit ihren drei bis vier Panels zu einer angesehenen Kunstform, die erst mit dem Erscheinen von Superman #1 (1938) im Comic-Heft kulminierte.

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Hundert Jahre später beeinflusst ein weiteres Leitmedium die Weiterentwicklung der Erzählform Comic: das Internet. Seit 1985 füllen Künstler mit ihren digitalen Comics das Netz. Ebenso wie vor über hundert Jahren experimentieren Zeichner und Autoren mit dem Medium: Sie übertragen alte Formen wie den Comic Strip ins Digitale, nur um mit den analogen Konventionen zu brechen und tasten sich dabei an Grenzen heran, die sie selbstbewusst überschreiten.

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Mit der freundlichen Unterstützung des Dachverbands Comic Solidarity präsentiert das Comicfestival München diese digitale Erzählform in all ihrer Fülle. Dazu lädt eine digitale Ausstellung ein, in der bekannte nationale und internationale Webcomics und ihre Künstler vorgestellt werden: Vom klassischen Comic Strip bis zum animierten Webcomic, von David Füleki bis Kate Beaton, von 1985 bis heute.

004Um besser zu verstehen, was einen Webcomic ausmacht und wie die speziellen Erzähltechniken im Internet funktionieren, geben Lukas Wilde und Björn Hammel gemeinsam einen Einblick in die Geschichte und die Entwicklung des Webcomics. Sie stellen die wichtigsten Akteure vor und diskutieren an aktuellen Beispielen, wie sich Erzähltechniken und Konventionen des Comics im Zeitalter des digitalen Publizierens verändert hat.

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Ergänzend zur Ausstellung präsentiert das Comicfestival eine Comiclesung mit Deutschlands größter deutschsprachigen Independent-Comic-Anthologie JAZAM!. Fast alle der vertretenden Künstler in dem jährlich erscheinenden Sammelband, wie z.B. Adrian vom Baur, Maximilian Hillerzeder und Tim Gaedke etc., haben ihre Comics zuvor als Webcomics veröffentlicht.
Die Künstler selbst sollen nicht nur ihre Webcomics sondern auch sich selbst vorstellen: Ähnlich wie beim Poetry Slam bekommen KünstlerInnen im „Ignite“-Format ein fixes Zeitfenster von 5 Minuten, ein Mikrofon und 20 digitale Folien, um mit Wort, Bild oder Ton den Kern ihres Projekts auf den Punkt zu bringen: Ein abwechslungsreiches Schnellfeuerwerk an Einblicken in insgesamt zehn große oder auch kleine, neue oder auch lang laufende Online-Serien.

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In „Bitstorm“ treten die Künstler gegeneinander an, um den besten unter ihnen im fairen Wettstreit zu küren. Aber ebenso wie bei den Meistern des modernen Comics gehören auch Fehlgriffe zu der Entwicklung eines Webcomic-Zeichners. In „Worst of“ enthüllen die Künstler selbst die dunkelsten Kapitel ihrer digitalen neunten Kunst.

Das gesamte Program wird von einem Webtagebuch http://comicsolidarity.tumblr.com/ begleitet. Auf dieser Seite präsentieren die Künstler ihre Zeichnungen, ihre Erlebnisse vom Comicfestival München, aber auch von anderen deutschen Festivals.